Ein Gedankengang zum Handwerk aus Polen

Was versteht man unter dem sogenannten Sendungsbewusstsein? Es erklärt im Grunde nichts anderes als die Überzeugung einer Institution, ihre mit bestimmten Wertvorstellungen auf andere Individuen zu übertragen und für diese verbindlich zu machen. Sendungsbewusstsein wird meistens in Bezug auf missionierende Religionen oder aber auch bei einer politischen Bestrebung zur Expansion als Begriff vereinnahmt.  

Was wäre nun, wenn es eine solche Art des Sendebewusstseins auch generell in der Welt des Handels geben würde, bei der eine Nation in Form einer eigenen Entität, bestimmte Wertvorstellungen ausstrahlt, die gezielt den Handel beeinflussen. Es ist allgemein bekannt, dass Produkte aus deutscher Herstellungsstätte einen guten Ruf genießen. Wie dieser gute Ruf zustande kommt, bleibt erst einmal im dunklen verborgen. Der Vergleich zwischen einem Produkt aus Deutschland und einem Produkt aus Polen beispielsweise, unterliegt im ersten Impuls immer der damit verknüpften Intuition, die sich jedoch nicht selten aus dem Gefüge des Sendungsbewusstseins speist. Diese Generalisierung ist unhinterfragt ein gefährliches Fundament für die Bestrebung einer globalen Marktwirtschaft, lässt sie doch rationale Verankerungen ausgeklammert. Beim Vergleich von Handwerksprodukten aus Polen und Deutschland wird immer die Einwirkung des Sendungsbewusstseins mitschwingen, was eine rationale Entscheidung beim Prozess der Erstehung erschwert.

Ob es das Carport aus Polen, die Terrasse aus Polen oder aber das Gartenhaus aus Polen ist, welches angeschafft werden soll; ein immanenter Glaubensanteil, lässt sich durch äußere Installationen im Bewusstsein nicht umgehen. Das polnische Handwerk ist mit seiner Tradition verankert, was das äußerliche Bild unumwunden auch heute noch prägt. Im Klima der Unterdrückung im Staat wuchs der Glaube des pol­nischen Messianismus, der die Bedeu­tung der wirklichen Situation umstellte, indem er den besonderen Sen­dungs­auftrag des polni­schen Volkes verkündete und als verbindlich erklärte. Das Leid von Polen wur­de nach der Demonstration von 1830 geistig gedeutet, denn nur so konnte Polen sich als Erlöser und freiwilliges Opfer der Völker darstellen.

Schlussendlich gilt es zu verstehen, dass machtpolitische Interessen ganz klar vom Handel zu trennen sind und unbedingt geistig durchleuchtet gehören. Es spielt keine Rolle, ob eine Treppe aus Polen das eigene Haus bereichern soll oder eben es die Zäune aus Polen sind, die ihrem guten Ruf vorauseilen. Mit großer Gewissheit sollte Handel betrieben und immerwährend auch die Geschichte im Hinterkopf behalten werden.

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